Referenten & Vorträge

Das Gehirn als motivierter Entscheider

Prof. Dr. med. Thomas Münte, Universität Lübeck

Es ist unstrittig, dass alle unsere Handlungen und Entscheidungen durch unser Gehirn vermittelt werden. Insofern ist die Entscheidungswissenschaft zwangsläufig auch eine Neurowissenschaft. Wie werden im Gehirn Entscheidungen vermittelt? Welche Hirnregionen motivieren Entscheidungen? Was ist der Unterschied zwischen zielgerichtetem Verhalten und Gewohnheiten? Welche Rolle spielen Neurotransmitter? Dies sind nur einige Fragen, die sich in diesem Zusammenhang stellen und die in meinem Vortrag behandelt werden. Es besteht bei der Betrachtung des Gehirns als Entscheider stets die Gefahr, sich dieses als kleinen Homunculus vorzustellen, also als eine kleine Person, die für uns die Entscheidung trifft. Eine solche Betrachtungsweise ist jedoch weder zutreffend noch führt sie weiter: Vielmehr werden Entscheidungen durch das Gehirn anhand von Regeln, die sich auch in mathematischen Formeln fassen lassen, getroffen. Der Vortrag wird auch auf diese Regeln eingehen. Schließlich stellt sich die Frage nach der Veränderbarkeit: Lässt sich durch Coaching, Lehren, Psychotherapie oder Training unser Entscheidungsverhalten beeinflussen und gibt es für eine solche Beeinflussung neurowissenschaftlich Evidenz?

Im Gehirn gibt es keinen Chef

Prof. Dr. rer. nat. John-Dylan Haynes, Berlin

Täglich müssen wir vielfältige Entscheidungen treffen, oft unter Zeitdruck und auf der Basis bruchstückhafter Informationen. Wir wechseln im Minutentakt zwischen dem Erledigen von Emails, Telefonaten, Meetings und Geschäftsberichten. Die Grundlage für solche Spitzenleistungen am Arbeitsplatz ist ein gut funktionierendes Gehirn. Um die Hardware unseres Denkorgans ranken sich viele Vorstellungen und Mythen – doch was daran stimmt genau? Was sind Stärken und Schwächen des Gehirns im Vergleich zu einem Computer? Wie kann ich mein Leistungspotenzial besser ausschöpfen? Wann kann ich mich bei Entscheidungen auf meine Intuition verlassen? Ist das Gehirn überhaupt fähig zum Multitasking? Was passiert, wenn sich Routinen einschleifen – und warum sind unsere Gewohnheiten so schwer zu ändern? Professor John-Dylan Haynes gibt einen spannenden Einblick darin, was wir aus der modernen Hirnforschung für unser Berufsleben lernen können.

Integratives Coaching auf neurowissenschaftlicher Grundlage

Prof. Dr. Dr. Gerhard Roth, Bremen 

Das im Vortrag dargestellte Coaching-Konzept ist integrativ, weil es von der Tatsache ausgeht, dass jede Intervention im Coaching die individuellen Merkmale der Persönlichkeit eines Klienten und seiner Belastungen bzw. Störungen, deren Vorgeschichte und die Art, in der er auf die Angebote des Coaches bzw. Therapeuten eingeht, berücksichtigen muss. Es ist neurobiologisch fundiert, denn nur so kann die Auswahl geeigneter Interventionen  gerechtfertigt werden. Die daraus resultierenden Maßnahmen setzen auf drei Ebenen der Persönlichkeit an: der Ebene der subjektiv-bewussten Befindlichkeit des Klienten einschließlich seiner Einstellungen und Erinnerungen, der Ebene des Verhaltens und der Ebene der unbewussten nonverbalen Kommunikation und der Körperhaltung. Nur durch diesen dreifachen Ansatz ist eine längerfristige Wirkung möglich. Ein wichtiger Bestandteil ist das Erreichen bzw. die Wiederherstellung der Konsistenz zwischen den drei Ebenen im Sinne von Klaus Grawe.

Kommunikation und Coaching

Prof. Dr. rer. nat. Martin Meyer, Zürich

Menschliche Sprache gilt als die komplexeste Fähigkeit des Menschen. Sprache und Kommunikation werden als Begrifflichkeiten oft synonym verwendet, wenngleich Sprache sowohl als kommunikatives Medium zum Austausch von Informationen zwischen Individuen als auch als primär kognitives Instrument anzusehen ist. Prof. Meyer schlägt in seinem Vortrag einen Bogen über die evolutionäre Entwicklung der Sprache zu einem mächtigen Werkzeug zum Austausch von Informationen und Stimmungen aber auch zur Interpretation ihrer Umwelt mit ihren Anforderungen bis zu der Frage der Macht von Sprache als Instrument der Beeinflussung. „Wir sind in der Lage, Vorgänge im Gehirn unserer Mitmenschen mit unglaublicher Präzision zu beeinflussen. Diese Fähigkeit wird Sprache genannt. Indem wir einfach mit dem Mund Geräusche erzeugen, können wir zuverlässig und präzise neue Gedankenkombinationen in der Geisteswelt anderer Menschen entstehen lassen.“ (Steven Pinker, 1994)